Mein erstes Interview

Jul 27, 2015 | Artikel, Spinswitcher

Ein Quereinsteiger versucht sich als Autor

Ein alter Hase bin ich nur in meinem angestammten Beruf. Vielleicht hatte ich mich deshalb nur wenig um literarische Zirkel gekümmert. Zunächst wollte ich ja beweisen, dass ich in der Lage war zu schreiben und ein Buchprojekt bis zur erfolgreichen Veröffentlichung durchzuhalten. Um meinen Roman bekannter zu machen, lag es daher nahe, zunächst die Unterstützung derer anzunehmen, mit denen ich bereits gut vernetzt war.

CROPfm

Auf die Podcasts von CROPfm bin ich bereits vor einigen Jahren gestoßen, als ich im Internet nach Quellen für unabhängige Nachrichten, alternative Betrachtungsweisen und Autoren grenzwissenschaftlicher Forschungen suchte. Schnell wurde mir bewusst, dass der Software-Ingenieur und Indie-Musiker Tarek Al-Ubaidi mit seinem Radio aus der Vorstadt der Wirklichkeit ein einzigartiges Medium geschaffen hatte. Es entwickelt sich kontinuierlich weiter und behandelt Themen, die man meines Wissens in der angebotenen Dichte und Offenheit nirgendwo sonst im deutschsprachigen Raum zu hören bekommt.

Bevor er einen Gast ins Studio einlädt oder per Telefon und Skype zu Wort kommen lässt, nimmt sich Tarek die Zeit, sich vorurteilsfrei mit den Initiativen seiner Gesprächsteilnehmer auseinanderzusetzen; beispielsweise, indem er deren Bücher liest und zu verstehen versucht. Seit dem Jahr 2000 entstanden auf diese Weise 340 Sendungen, die man alle chronologisch gelistet und in 34 Kategorien sortiert unentgeltlich abrufen kann. Der gebürtige Grazer macht dies aus Neugier auf die eher verborgenen Aspekte von Kultur, Gesellschaft, Politik, Geschichte und Wissenschaft, vorzugsweise auf das, was sich hinter den Kulissen gutbürgerlicher Bildung abspielt.

Parallele Wirklichkeit

Da Tarek Al-Ubaidi auf Tabus weitgehend pfeift, bleibt es nicht aus, dass bei ihm Themen aufs Tapet kommen, die manchem Zeitgenossen grundsätzlich gegen den Strich, zumindest aber über die Hutschnur gehen. Spätestens dann geht es um das, was ich parallele Wirklichkeit nenne. Was Tareks Gäste zu berichten haben, scheint nicht selten den gültigen physikalischen Regeln zu widersprechen oder es weicht von der allgemein anerkannten Berichterstattung über politische Ereignisse ab. Es geht um alternative Betrachtungsweisen: um Heilmethoden, spirituelle Welten, unerklärliche Phänomene oder die Mythologien vorzeitlicher Kulturen. Um Wissen also, das sich durch einfaches Nachprüfen schwer dingfest machen lässt. Meist entscheidet der persönliche Betrachtungswinkel darüber, ob einem der Referent und sein Thema plausibel erscheinen oder nicht. Wem das zu vage ist oder wem das Wort Verschwörungstheorie den Angstschweiß auf die Stirn treibt, mag beim staatlichen Rundfunk besser aufgehoben sein. Denn: Auf CROPfm darf über alles offen gesprochen werden, solange es nicht antisemitisch, fremdenfeindlich, verletzend oder diskriminierend ist. Zwischen dem Klischee eines spirituell entrückten UFO-Spinners und einem um Aufklärung bemühten Kornkreis-Forscher besteht ein feiner aber elementarer Unterschied, den der übliche Pressezirkus offenbar nicht abzubilden vermag. Tarek Al-Ubaidi geht da ganz anders ran: Er differenziert. Wer Mut und Spaß daran hat sich auf weltanschauliche Abenteuerreisen zu begeben, wird erstaunt sein, wie facettenreich menschliche Wahrnehmung sein kann.

Tarek Al-Ubaidi hat eine unverwechselbare Art zu moderieren. Er ist kritisch, haut aber niemanden in die Pfanne, sondern agiert aus einer in sich ruhenden Position des objektiven Betrachtens, des neutral Auf-sich-zukommen-lassens, ohne persönliches Geltungsbedürfnis oder gar der Angst sich an einem Thema die Finger zu verbrennen. Zudem ist er im wahrsten Sinne des Wortes unabhängig, denn er arbeitet auf eigene Kosten. Die bescheidenen Einnahmen aus von Google vermittelten Werbeanzeigen tragen sein Projekt ebenso wenig, wie die Spenden seiner treuen und ehrlichen Fans, die den Anstand haben entsprechend Wert zu schätzen, was sie über CROPfm an Informationen, Ideen und Weltanschauungen vermittelt bekommen. Tareks freies Radio funktioniert dennoch mit zunehmendem Erfolg.

Ein lebenslustiger Mensch

Als ich Tarek Al-Ubaidi in Graz besuchte, erlebte ich ihn als herzlichen, großzügigen, lebensbejahenden Typ mit ungeheuer aufgeweckten Augen. Er ist sehr schlank und trägt sein schwarzes Haar zu einem Zopf gebunden. Er nahm mich auf wie einen guten alten Freund, den er lange nicht gesehen hatte. Da ich meistens die Titelbilder zu seinen Sendungen beisteuere, hatten wir natürlich über die Jahre regelmäßig miteinander kommuniziert. Jetzt waren wir uns das erste Mal von Angesicht zu Angesicht begegnet. So weit es unsere knappe Zeit zuließ, zeigte er mir mit sichtlicher Freude und Stolz interessante Teile seiner Heimatstadt Graz, deren Architektur und Kulturangebot mich an den beiden hochsommerlichen Tagen wirklich beeindruckt hat. Graz vermittelt eine spürbare Portion südländisches Flair, was die zahlreichen Studenten der ansässigen Universitäten offensichtlich zu schätzen wissen. Dass dort, neben all den gesellschaftlichen Gegensätzen, die mir Tarek andeutete, ein Klima geistiger Offenheit herrscht, hatte ich ohnehin längst vermutet.

Das Interview

Tarek-Studio-25-CcolIch war in meinem bisherigen Leben niemals in die Verlegenheit gekommen, ein Interview zu geben. Deshalb war ich froh, meine erste Erfahrung in Tareks privatem und professionell ausgestatteten Podcast-Studio machen zu dürfen. Welche Fragen er mir stellen würde, hatten wir zwar in etwa erörtert, doch der tatsächliche Verlauf sollte sich aus dem Gespräch spontan ergeben. Theoretisch war ich darauf vorbereitet. Obwohl es keine Live-Übertragung war, überraschte mich die mentale Herausforderung des praktischen Ablaufs. Das große Hochleistungsmikrophon vor der Nase, machte meinen Plan zunichte, im Zweifel auf dem Display meines Notebooks nachschlagen zu können, was mir aus Stress nicht einfiel. Aber es stellte sich ohnehin heraus, dass es illusorisch gewesen war zu glauben, ich könne während des Dialoges ausreichend Zeit dafür erübrigen. Also plauderte ich weniger flüssig als gewollt aus, was mir mein Kopf ohne vorheriges Nachdenken zur Verfügung stellte. Es entstand die Aufzeichnung eines netten Gesprächs unter Gleichgesinnten, die sich dabei weiter aus dem Fenster lehnten, als sie das vorgehabt hatten – ohne jedoch irgendeinen Satz davon zu bereuen.

Mein Dank und meine Grüße gehen nach Graz, an Tarek und seine nette Lebensgefährtin Karin, die das Foto von uns aufgenommen hat.

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